Mary Reid Kelley

Ausstellung

26 Sep – 31 Okt 2014

Eröffnung

25 Sep 19:00

Kuratiert von

Gerald Matt und Kasia Matt-Uszynska

Ort

Hochhaus Herrengasse 6–8, 1010 Wien

Dank an

Hochhaus Herrengasse Wien

Fotografie

© Neuer Kunstverein Wien

Der Neue Kunstverein Wien zeigt die junge amerikanische Künstlerin Mary Reid Kelly erstmals in Wien. Reid Kelley vereint die von ihr in Yale studierten Medien Malerei und Zeichnung mit Performance, Theater, Skulptur und Literatur zu außergewöhnlichen bildmächtigen und sprachwitzigen Videoarbeiten, die ihr bereits Ausstellungen im ICA Boston, im Site Santa Fe oder das begehrte das Guggenheim Memorial Foundation Stipendium einbrachten.

Das zentrale Thema Ihrer auf Geschichte und Mythen basierenden Animationen ist die menschliche Sehnsucht, sich von den kulturell geprägten Rollenzuschreibungen zu befreien. Dabei untersucht Sie vor dem Hintergrund ideologischer Utopien und geschichtlicher Ereignisse in ihren — in rhythmischen Versen bissigen Humors vorgetragenen — Erzählungen die Lebenswirklichkeit von Frauen im Kampf um Gleichberechtigung und Freiheit. Ihr Interesse gilt historischen Perioden elementarer politischer, sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Brüche wie etwa dem Ersten Weltkrieg oder den Nachwirren der französischen Revolution, in denen sich Identitäten, Geschlechterrollen, Verhalten, Sexualität und Sprache von Menschen, insbesondere der Frauen radikal veränderten.

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Dabei kreiert und gestaltet sie vom Skript über die Kostüme und Ausstattung bis hin zum Video, ihren Mann Patrick Kelley als Film- und Digitalexperte an Ihrer Seite, ihre Arbeiten selbst. Ebenso werden die Charaktere Ihrer Filme von Ihr und Mitgliedern Ihrer Familie gespielt.

Ihre schwarz weißen — Elemente der Tragödie und Komödie vereinenden — Geschichtsrevue wirken wie dreidimensionale lebendige, sprechende Zeichnungen und paraphrasieren auf ironische Weise die Ästhetik historischer Stile wie des Kubismus, des Expressionismus oder des Surrealismus. Als Erzählerin und Hauptdarstellerin tritt Mary Reid Kelley kostümiert und stilisiert mit Perücken und Masken auf und verwandelt sich mit ihrem weiß bemalten Gesicht, dem sie mit schwarzen Strichen schablonenhafte Konturen verleiht, in ein seltsames surreales Fabelwesen zwischen antikem Mythos und moderner Komik. In ›Camel Toe‹, eines von vier Videos, die sich mit dem ersten Weltkrieg als der brutalsten gesellschaftliche Zäsur am Beginn der Moderne beschäftigen, erzählt sie von der Liebe eines Piloten zu ›seinen Mädchen‹, seinem Flugzeug und seiner Verlobten, der er als Zeichen seiner Liebe ein Spielzugflugzeug schenkt. In ›The Syphilis of Sisyphus‹ hält eine schwangere syphilitische Pariser Prostituierte, Kelleys Karikatur von Baudelaire, die Tugend weiblicher Kosmetik der Enttäuschung über den Verrat an den Werten der französischen Revolution durch die napoleonische Restauration entgegen und wird zur Behandlung ihrer vermeintlichen Hysterie in die Klinik von Jean- Martin Charcot verbracht.

In ›Priapus Agonistes‹ belebt Reid Kelley in einer absurden Szenerie eines Church Gymnasiums als Tempel von Knossos und einem modernen Volleyball Turnier zwischen Presbyterianern und Baptisten, untermalt von einem griechischen Chor, den Minotaurus Mythos neu. In Kelleys Labyrinth ist Minotaurus der Verlorene, halb Mensch, halb Tier, an seiner Doppelnatur leidend, ist er, von Mary Reid Kelley als Frau gespielt, die Verlorene, die weder den Ausgang noch die Toilette findet. Priapus, der Gott der Fruchtbarkeit und des Rebstocks, bekannt für seine überdimensionale Erektion, ritt als Volleyballspieler auf. Dabei verweist sie auf die tiefe Bedeutung des Minothaurus Mythos für Künstler wie Picasso oder die Surrealisten als tragische Heldengeschichte und Symbol des Unterbewussten und der künstlerischen Rolle und Kreativität.

Mary Reid Kelley geb. 1979 in Greenville, South Carolina, lebt und arbeitet in Saratoga Springs, New York.

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