Alexandra Waliszewska

Absurden, obszönen Steingötzen der Tschanvölker

Alexandra Waliszewska

Absurden, obszönen Steingötzen der Tschanvölker

Ausstellung

16 Sep — 15 Okt 2017

Eröffnung

15 Sep 19:00

Ort

Hochhaus Herrengasse 6-8, 1010 Wien

Filmscreening

15 Sep 20:00, Athena Rachel Tsangari ›The Capsule‹ (2012)

Dank an

Hochhaus Herrengasse Wien, Leto Gallery, Warschau und Haos Film, Athen

Fotografie

© Neuer Kunstverein Wien

Der Neue Kunstverein Wien präsentiert in seiner Herbstausstellung die Arbeiten von Aleksandra Waliszewska. Aleksandra Waliszewska’s künstlerische Welt ist geprägt von Ihrer Faszination für dunkle, traumhafte Szenen, in denen Makabres auf Groteskes und Schönheit auf Horror treffen. In ihren frühen Arbeiten untersuchte sie die italienische Kunst des Quattrocento. Farbauftrag und Farben interessierten die Künstlerin insbesondere in der Malerei von Piero della Francesca, Massacio oder Giotto. Ihre Arbeiten lassen aber auch an die Werke von Vermeer, Balthus bzw. an die Darstellungen Goya’s und der mittelalterlichen Malerei Hans Memling’s denken.

In ihren Gouachen im Format 25 × 35 cm zeigt Waliszewska oft junge, bedrohte Mädchen, meist Ihre eigenen Portraits, aber auch hybride Wesen undefinierbaren Geschlechts. Im Mittelpunkt stehen dabei Themen von Gewalt, Grausamkeit, Folter und sexueller Unterdrückung, sadistische Männer und menschenähnliche bösartige Tierwesen. Waliszewska’s monumentale, sich kaleidoskopartig aus Bildern und Geschichten formende, phantasmagorische Welt, in der uralte Fabeln auf eine beängstigende Gegenwart treffen, lassen sie als Chronistin der ›conditio humanae‹, einer Welt zwischen Hoffnung, Glück und Apokalypse erscheinen.

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›(…)Fabelwesen wie eine Spinnenfrau, ein Drache oder die alttestamentarische Eva, die Adam verführt, treten in diesen Szenarien auf, die — in der Tradition des spanischen Malers des ausgehenden 18. Jahrhunderts — an Bilder Francesco Goya’s erinnern. Es sind Bilder, welche die Ungeheuerlichkeit menschlicher Phantasie offenbaren, die von Ängsten, Gewalt und sexuellen Begehren getrieben wird. Das sexuelle Begehren, das zwischen Unschuld und Verführung, Sehnsucht und Gewalt, Leben und Tod oszilliert, ist in den Bildern von Waliszewska fast immer gegenwärtig. Das macht diese Bilder gleichzeitig tragisch und komisch, hinterhältig und naiv, tiefgründig und banal. Das macht sie real wie das Leben selbst (…)‹. In einem Gespräch mit Maurizio Cattelan bezeichnete Sie ironisch Ihre Arbeit als ›eine Warnung vor dem Bösen, bevor die Zeit der Freude und Liebenswürdigkeit anbricht.‹

Aleksandra Waliszewska wählt als Titel der Ausstellung im Neuen Kunstverien Wien ein Zitat aus dem phantastischen Roman ›Alraune. Die Geschichte eines lebenden Wesens‹ des skandalumwitterten Bestsellerautors Hanns Heinz Ewers der Jugendstil- und Vorkriegszeit, dessen Werke als trivial, unmoralisch oder auch pornographisch galten. Die Hauptfigur der Alraune könnte auch eine auch ein Fabelwesen aus Waliszewskas Bildern entsprungen sein.

Die Alraune ist ein junges Mädchen, dessen Mutter, eine Prostituierte, sie durch eine künstliche Befruchtung empfing. Das Ejakulat stammt von einem Lustmörder, das zum Zeitpunkt seiner Hinrichtung durch Hängen entnommen wurde. Zugrunde liegt dem Buch die mittelalterliche Sage vom Galgenmännchen: Der beim Erhängen eines Mannes eintretende letzte Samenerguss führt im Boden zum Entstehen der seltenen Alraunenpflanze, der magische Fähigkeiten zugeschrieben werden. Sie soll Glück bringen und unsichtbar machen können.Die Romanfigur der Alraune gilt als promiskuitiv und lasterhafter Vamp, ohne Gefühle und Seele, dessen erotischer Ausstrahlung alle Männer verfallen. Am Ende stürzt sie sich in den Tod.

Die Geschichte verbindet eine heidnische Legende mit Fragen künstlicher Befruchtung , Individualität, Gentechnik und sozialer und biologischer Manipulation (social engineering ) der Naziideologie.

Die Arbeiten von Aleksandra Waliszewska beeinflussten unterschiedliche Künstler, darunter den Schriftsteller Szczepan Twardoch und seinen Animationsfilm ›Piwnica‹. 2012 produzierte die Regisseurin Athena Rachel Tsangari inspiriert durch Waliszewska’s Arbeit den Film ›The Capsule‹ (2010), in welchem Waliszewska nicht nur als Koautorin, sondern auch als eine der Hauptdarstellerinnen fungierte. Der Film wurde auf der Dokumenta 13 im Jahr 2012 gezeigt. Beide Filme ›Piwnica‹ und ›The Capsule‹ werden die Werkschau von Aleksandra Waliszewska im Neuen Kunstverein Wien ergänzen.

Aleksandra Waliszewska geboren 1976 in Warschau. Studium an der Kunstakademie in Warszawa. Diplom mit Auszeichnung an der Akademie der Bildenden Künste in Warschau.

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